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Artikel: Vom Wesen der Ungeduld

Vom Wesen der Ungeduld oder das mit dem richtigen Zeitpunkt

Ich schreibe diesen Artikel, weil mich das Thema der Geduld schon lange umtreibt. Weil ich ganz bewusst in den letzten 2 Jahren das Thema des richtigen Zeitpunktes für mich entdecke und darin entwickele und wachse. Ich schreibe diesen Artikel für alle, die nicht warten können. Für alle, denen es oft zu langsam geht. Für alle die, auf der Rolltreppe an den anderen vorbeigehen. Für alle, die an den Grashalmen ziehen. Für alle, die schon mal über eine rote Ampel gefahren sind, weil sie die einzigen an der Kreuzung waren und die Ampel schon seit 3 Minuten rot zeigt. Für alle, die nicht lange überlegen müssen. Und für alle, die mit diesen Menschen leben und arbeiten.

Seit einigen Jahren begleitet mich das bekannte Gelassenheitsgebet des amerikanischen Theologen Karl Paul Reinhold Niebuhr.

Gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann. Den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Karl Paul Reinhold Niebuhr, Theologe (1892-1971)

Wir nehmen an, du hast eine Idee. Eine fantastische Idee. Du bist begeistert! Du willst, dass diese Idee viele Menschen erreicht und Ihnen hilft. Du siehst schon das gute und einträgliche Geschäft dabei. Wow! Und jetzt geht es an die Umsetzung. Du beginnst mit den ersten Schritten: schreibst einen ersten Plan, notierst die wichtigsten Einzelprojekte, bedenkst die Finanzierung. Sprichst mit den betreffenden Menschen. Du begeisterst und das Boot läuft aus dem Hafen! Du bist auf dem Weg.

Klingt doch gut, oder?

Im Grunde schon. Aber es passiert nichts, du bist ja immer noch auf dem Weg. Ähnlich wie bei dem Setzen eines Samen oder einer Zwiebel. Nach dem Setzen dauert es immer noch eine Weile bis Du etwas davon oberhalb der Erde siehst.

Und jetzt kommt die Ungeduld ins Spiel. Was sagt die Definition des Wortes im wesentlichen aus?

Das Wort Geduld (auch altertümlich: Langmut) bezeichnet die Fähigkeit zu warten oder etwas zu ertragen. Oft gilt Geduld als eine Tugend; ihr Gegenteil ist die Ungeduld. Als geduldig erweist sich, wer bereit ist, mit ungestillten Sehnsüchten und unerfüllten Wünschen zu leben oder diese zeitweilig bewusst zurückzustellen. Diese Fähigkeit ist eng mit der mut, sehnsucht, Fähigkeit zur Hoffnung verbunden. Geduldig ist auch, wer Schwierigkeiten, Leiden oder lästige Situationen mit Gelassenheit und Standhaftigkeit erträgt. (Wikipedia-Artikel „Geduld“)

Interessant ist der Hinweis auf die Sehnsüchte und Wünsche, die unerfüllt sind. Warum ist es für bestimmte Menschen so schwierig mit ungestillten Sehnsüchten (zeitweilig) zu leben? Hast Du dir diese Frage schon einmal gestellt? Ich empfehle die Auseinandersetzung mit dieser Frage sehr. Wenn wir dieser Frage hinterhergehen, wird uns schnell klar, dass wir eine oder mehrere Ebenen tiefer gehen müssen. Natürlich willst Du, und auch mit allem was Du hast, dass Dein Projekt erfolgreich realisiert wird. Aber aus welcher inneren Quelle kommt dieses Gefühl von es-nicht-aushalten-können-wenn-nicht-sofort-etwas-zu-sehen-ist? Gründe dafür können Erfahrungen sein, die Du gemacht hast, die in Deiner Kindheit liegen. Normalerweise sind dafür die ersten Lebensjahre zuständig. Die Wut-und-Trotzphase, die Phase, wenn Dein Kind etwas will und Dir klar wird, dass es jetzt sein muss. Ein Vertrösten hilft nicht. An dieser Stelle geht es um die Erfahrung von Geduld, die Du deinem Kind zur Verfügung stellen musst. Es geht um die funktionierende Beziehung und den sicheren Umgang mit Situationen, in denen ich efahre, dass nicht immer alles und sofort möglich ist. Das Leben in seinen verschiedenen Prnzipien teilt sich hier mit und will gelernt werden. Bedürftigkeit wird hier offenbar: wie ist Dein Umgang mit deinen Bedürfnissen, deiner Bedürftigkeit? Wie lassen sich Verletzlichkeit und Wollen vereinen? Innen und Aussen? Was wir an dieser Stelle mit unseren Kindern machen können, ist da bleiben. Einfach da sein. Klingt einfach, ist am schwierigsten. Und genau dieser Schwierigkeit begegnest Du, wenn Du ungeduldig wirst. Die Aufgabe ist ruhig und offen bleiben in der Phase des Noch-Nicht bzw. Doch-Nicht.

Während Du dies liest, und Du etwas tiefer und näher bei Dir ankommst, segelt Dein Schiff weiter. Du hast Kurs auf diesen Hafen (dein Ziel). Apropos, wusstest Du, dass auch auf einem Segelschiff die Geduld vorkommt?

Die Geduld ist auf einem Segelschiff ein Querbalken, der zwei Betinge miteinander verbindet. Die Geduld dient neben der Stabilisierung der Betinge vor allem als Nagelbank zur Befestigung von Belegnägeln. (Wikipedia-Artikel „Geduld (Schiffbau)“)

Diese Belegnägel dienen dem Festmachen der Taue, die mit den Segel in Verbindung stehen und damit einen Einfluss auf den Kurs haben. Spannend, dass dieser stabilisierende und verbindende Querbalken in Segelsprache als Geduld bezeichnet wird.

Das heisst im Wesentlichen, dass es in diesen herausfordernden Situationen darum geht, den Kurs nicht zu ändern, nur weil ich in mir ungeduldig werde und meine Leidenschaft sich meldet. Würdest Du dieser Ungeduld mit dem Drang etwas zu ändern, nachgehen, wäre dies wie ein plötzlicher Sturm, der aufzieht. Nutze diesen zusätzlichen Wind lieber, um zu atmen. Verbinde Dich mit Deinem Atem, setze Dich hin und gehe in die Ruhe.

Zum Wort Geduld kam mir bei der Recherche auch das Wort „Patience“ unter:

Eine Patience [paˈsi̯ãːs] (französisch für „Geduld“) ist ein Kartenspiel, das meist von einer Person gespielt wird. Im amerikanischen und kanadischen Englisch werden diese Spiele als Solitaire bezeichnet (nicht zu verwechseln mit dem im Deutschen bekannten Brettspiel Solitär). Patiencen kann man zum Zeitvertreib spielen, sie können auch der Meditation dienen und vorausschauendes Denken trainieren. (Wikipedia-Artikel „Patience“)

Patience als Hilfe zur Meditation und als Training für das vorausschauende Denken: hier offenbart sich eine Qualität, die ich als wichtig erachte um Geduld zu trainieren, das vorausschauende Denken. Und spannend, dass das Wort Patient ganz ähnlich ist wie die Patience. Am englischen Wort für Geduld siehst Du die Verbindung auch: patient. Die wichtigste „Übung“ beim Gesundwerden ist Geduld, der Patient und der Therapeut brauchen sie gleichermassen. Ich empfinde die Neigung mit Ungeduld zu reagieren als etwas was Heilung benötigt.

Wie gehe ich damit um, wenn sich zur Ungeduld noch Unzufriedenheit und Wut gesellen?

Während ich meinen Plan im Sinne meiner Idee/Vision umsetze, tauchen auch Dinge auf, die dem entgegenstehen und mir nicht in die Hände spielen. Jemand, der einen Termin nicht einhält, Rechnungen, die nicht bezahlt werden oder jemand, der plötzlich etwas Ähnliches veröffentlicht, oder, oder, oder… Ich kann jetzt mit viel Energie, Dinge unternehmen, um daran etwas zu ändern oder ich kann es lassen. Ich habe immer mindestens diese beiden Möglichkeiten. Wähle ich Möglichkeit 1 nimmt es mir wahrscheinlich Energie, Konzentration und Aufmerksamkeit aus meinem Plan. Wähle ich Möglichkeit 2, eröffne ich mir weitere Möglichkeiten: oft ist dies ganz praktisch eine Mischung aus Beidem. Und gleichzeitig muss ich erst einmal etwas scheinbar fremdes erdulden. Ich erlaube den störenden Aspekt zu co-existieren. Bildlich gesprochen: wenn Du mit Deinem Segelschiff auf ein Unwetter zusteuerst, solltest Du in der Lage sein, den Kurs ändern zu können. Praktisch heisst das, auch wenn eine Person aus der Bootsbesatzung in einer Sache mit Dir anderer Meinung ist, solltest Du diese Person nicht unter Deck einsperren. Um die Segel neu zu setzen und das Boot zu bedienen, ist diese Person sicherlich wichtig. Das Gelassenheitsgebet erinnert uns an unsere Weisheit, wie wir die Dinge unterscheiden können um zu wissen, an welcher Stelle ich handeln muss und an welcher Stelle ich dulden muss, wie es aktuell ist. Es geht um die Wahrnehmung des richtigen Zeitpunktes. Das übst Du, indem Du dir selbst Zeit gibst: setz Dich hin, atme durch, atme ruhig und entspann Dich. Konzentriere Dich auf Deine Innenwelt. Und leg Dir wirklich selber mal die Karten, ich nutze gerne zum Beispiel das buddhistische Kartenset des Shamabal-Kriegers. Nutze die Zeit um dich mit der Ebene der (Vor-)zeichen und Symbole zu verbinden. Wenn du lernst sie zu verstehen, wirst Du die Unterscheidung wissen.

Spannenderweise liefert uns die juristische Defintion von Duldung die entsprechende Ausrichtung:
Die Duldung bedeutet (im Zivil- und Strafrecht) das jegliche Unterlassen von Widerspruch oder Widerstand, was zur völligen Hinnahme fremder Handlungen führt. (Wikipedia-Artikel „Duldung (Recht)“)

Ein Hinweis zum Verständnis: dulden heisst nicht alles erdulden. Wenn es existentiell ist, handle und schütze Dich und die Deinen. Wenn es um die Sicherung deines Projektes geht, handle. Ich wähle einfach in diesem Zusammenhang das Wort dulden, weil es genau den schmerzhaften Weg des Wachstums zeigt, den jemand gehen muss, der an der Krankheit der Ungeduld leidet. Und für diesen Menschen fühlt es sich dann erst einmal so an wie aushalten und erdulden.

Ganz praktisch:

1) Durchatmen. Ruhig werden. Auf Dich konzentrieren.

2) Trainiere deine 3 Gehirne: Kopf, Herz und Bauch. In Zeiten des Noch-Nicht-Wissen ist uns oft der Bauch und das Herz ein guter Ratgeber. Der Kopf braucht oft zu viele weitere Informationen und damit länger um einschätzen und entscheiden zu können.

3) Nutze Wut und Unzufriedenheit als Vorzeichen für Deine Bedürftigkeit, siehe oben. Bleib auf deinem äusseren Kurs, nachdem Du eine wirkliche Bedrohung ausgeschlossen hast, und dann schau Dir Deinen inneren Kurs an. Bist Du gerade noch der Steuermann, der mit klarem Blick aufs Meer schaut? Und was brauchst Du, um (wieder) dahin zu kommen?

4) Am Ende geht es um Dein Vertrauen. Dies ist der innere Gewinn, wenn Du deinen Weg gehst. Vertrauen gewinnst Du durch das Gehen und immer wieder innehalten. Innehalten ist gut. Nimm dir immer wieder Zeit zurück zu schauen und Dich zu fragen, an welchen Stellen, es schon geklappt hat? Wo ist Dein Mut belohnt worden?

Noch etwas zum Mut:

Für das Anfangen brauchst Du Mut. Für das Weitermachen auch. Wie du oben gelesen hast, ist das alte Wort für Geduld auch Langmut. Geduld ist der Mut, wenn es etwas länger dauert. Und trotzdem den Kurs halten.

 

Ich wünsche uns viel Geduld bei all dem was wir tun.

 

Hier noch einige interessante Zitate:

 

Geduld ist die Kunst, nur langsam wütend zu werden.“ (aus Japan)

Geduld ist ein Baum, dessen Wurzeln bitter sind, dessen Frucht aber sehr süß ist.“ (aus dem Iran)

Ich bin außerordentlich geduldig, vorausgesetzt, ich kriege am Ende, was ich wollte.“ Margaret Thatcher, Aus Politik und Zeitgeschichte(APuZ), 47/2005, S. 4.

Es gibt Gebiete, bei denen ich ungeduldiger bin, und Gebiete, bei denen ich mehr Geduld habe. Geduldig bin ich dort, wo die Komplexität des Systems eine gewisse Behutsamkeit fordert. Ungeduldig bin ich dort, wo Leute leiden.“ Ruth Dreifuss, Interview in Sonntags-Zeitung Nr. 21 vom 26. Mai 2002

 

Dein Fabian Strumpf

Buchveröffentlichung – Ganzheitsmedizin

Im Buch „GANZHEITSMEDIZIN II: DER WEG VON HEILUNG, GESUNDHEIT UND FRIEDEN IM INNEN UND AUSSEN“ wurde ein von mir verfasstes Kapitel über den Haka veröffentlicht:

GANZHEITSMEDIZIN-II

Hier die Zusammenfassung des Kapitels:

Buch_Ganzeheitsmedizin_Haka_Fabian_Strumpf1

Haka – der neuseeländische Krafttanz

Der Haka ist ein Tanz aus der Tradition der neuseeländischen Māori. Hier geht es um die Verbindung zu den Ahnen, den Mut des Einzelnen,  die Kraft der Gemeinschaft. Indem wir den Haka tanzen, können wir uns an unseren Ursprung erinnern und unsere Kraftquellen wieder entdecken. Haka ist zugleich wild, sinnlich und mächtig. Als Tanz verkörpert der Haka Präsenz, tiefe Verbundenheit und Hingabe an das Leben.

In diesem Artikel wird Autor Fabian Strumpf zunächst einige historische und kulturelle Aspekte Neuseelands erörtern, die wichtig sind, um den Haka als Ritual zu verstehen. Dazu gehören die neuseeländische Mythologie sowie die Tradition des Haka, die traditionellen Moko-Tätowierungen und die Ahnenverehrung. Im zweiten Teil geht es um die Wiederentdeckung der Māori-Wurzeln. Am Beispiel der All-Blacks wird beleuchtet, wie  der Haka als lebendige Tradition weiterhin  Teil Neuseelands ist: nämlich ein Ritual, das zu Beginn eines Rugby-Spiels gemeinsam getanzt wird, und damit Kraft, Wille und Mut demonstriert. Den letzten Teil widmet der Autor den Aspekten des Haka, die in seiner therapeutischen Arbeit eine besondere Rolle spielen. Denn dieser Krafttanz wirkt auf unterschiedlichen Ebenen – körperlich, mental, seelisch – sowohl einzeln als auch mit einer unterstützenden Gruppe. Diese Erfahrungen wollen der interessierten Leserschaft mit diesem Artikel zugänglich gemacht werden: für ein authentisches, kraftvolles Selbst und ein liebevoll-verbundenes Miteinander.

Bei Interesse gerne an mich wenden, am besten mit Betreff „Buch Ganzheitsmedizin“ über mein Kontaktformular!