Haka und Homöopathie – Die Heilung von Archetypen

Haka und Homöopathie und die gemeinsame Anwendung zur Heilung unserer
inneren Archetypen

Ich möchte aus meinen Seminar- und Praxiserfahrungen die Verbindung zwischen homöopathischen Archetypen und Haka-Ha beschreiben.

Dabei erwähne ich die wichtigsten Homöopathika, die ein Potential zum Krieger
Archetypus haben und differenziere sie:

Sepia oder die Amazonen-Kriegerin

Auch wenn Haka-Ha erstmal von aussen eher männlich und kriegerisch erscheint, gibt es doch in Sepia officinalis (Tintenfischtinte) das weibliche Pendant zum Krieger –
die Amazone
.
Sepia hat ein ausgesprochenes Verlangen zu tanzen, nicht nur Haka,
gerade Tänze wie Flamenco oder auch Tango.
Der Flamenco ist vielleicht so etwas wie die gesellschaftlich akzeptierte Form eines streitbaren Tanzes, ich habe selber in Sevilla wunderschöne Flamencotänze erlebt, die mich sehr angerührt haben. Hervorstechend ist eine Qualität, die immer wieder zu sehen ist und zwar die Würde, die die Flamencotänzerinnen dabei ausstrahlen. Gross in der
Verkörperung, unverleugnet in der Aufrichtung und klar in der eigenen Haltung –
die Würde oder auch der eigene Wert werden ganz deutlich.

Und dabei keineswegs vorrangig freundlich, Flamencotänzerinnen sind herausfordernd, stellen sich Dir in den Weg und sind unübersehbar.

Staphisagria oder JA! zu gesunder Aggression

Das Stefanskraut ist vergleichbar mit dem Ritter in seiner Rüstung, leicht aufbringbar und doch leider nicht unmittelbar fähig zu reagieren, sprich sein Schwert zu ziehen und angemessen zu antworten. Gleichermassen ist Staphisagria ein Abbild unserer Gesellschaft, die Aggression verneint und als negativ bewertet.
Hier hilft Staphisagria aus der “Entrüstung” raus in eine Reaktionsfähigkeit, ein sich trauen und der Umwelt zuzumuten. Staphisagria steht auch sinnbildlich für die
Körperpanzer, die Wilhelm Reich in seiner Bioenergetik postulierte, bei Staphisagria stehen hier körperlich stark die Stimme und die Arme und Hände im Vordergrund.
Staphisagria würde nie laut werden bzw. laut im Sinne von hörbar, dass die Umwelt sein/ihr “Nein” wahrnehmen würde und die energetischen Impulse zeigen sich in der
Unterdrückung der eigenen Lebendigkeit in einem Tremor der Hände. Die Hände zittern, wenn der Ausdruck der eigenen Kraft und speziell der Wehrhaftigkeit nicht sein darf.

Ferrum metallicum oder die Ehrung der (gefallenen) Krieger

Mit Ferrum betreten wir individuell-kollektiven Boden, der Ferrum-Mensch hat
sprichwörtlicherweise oft Schwierigkeiten mit der rechten Schulter, dem Schwertarm, kann ihn nicht bewegen, nur unter Schmerzen oder schlecht heben etc.
Eisen als Stoff ist unsere Ich-Bindung bzw. teil unserer Ich-Struktur, das Eisen im Blut.
Das Eisen als kollektiver Stoff hat uns gerade im 19. und 20.Jahrhundert viel von seiner Schrecklichkeit erzählt: der Einsatz als Waffe in vielen Kriegen, der Einsatz als Mittel zur rücksichtslosen Ermordung und Vernichtung von Leben.
Hier bindet uns das Eisen kollektiv an die vielen gefallenen Krieger aus über 2000 Jahren Eisen-Menschheitsgeschichte.
Auch in unserer Zeit kommt es vor, dass Männer und Frauen ihre Krieger und Amazonen nicht leben können, weil nahe Generationen mit Krieg und Vernichtung zu tun hatten,
Soldaten und Offiziere waren, die im 1. oder 2. Weltkrieg (oder woanders) mit Menschen gekämpft haben. Damit unsere eigene Kriegerseele Ruhe finden darf, sind zwei Sachen wichtig:
1) die Anerkenntnis, dass wir, ob familiär oder kollektiv, mit den Gefallenen dieser Welt verbunden sind und sie als Personen zu uns gehören, auch wenn wir ihre Taten nicht billigen und
2) wir als die Heute-Geborenen können es alles (ein bisschen) anders machen!
Auf diese Weise können wir den gefallenen Kriegern Ihren Platz geben und richten uns nicht mehr unbewusst nach dem Bild, welches wir verabscheuen und aus unserer Mitte verdrängen. So passiert echte Friedensarbeit, denn das Gegen-Etwas-Sein gibt immer einen Mindestteil an Energie und aufmerksamkeit in Das-Was-Nicht-Sein-Soll.
Unser Geist kennt nicht das Nicht-Bild, denn alles was wir benennen können, existiert, und so versucht unser Geist auch gleichermassen die Manifestation des Angestrebten und des Ausgeschlossenen.

Lac Caninum oder der rechte Platz in der Ordnung

Bekannte Beispiele für Lac-Caninum-Krieger sind Rambo, Rocky und Gladiator, auch
dementsprechend Elitekämpfer (GSG 9), Einzelkämpfer und Fremdenlegionäre.
Hier finden wir Lac caninum, dass einen Platz für den inneren Krieger gefunden hat, im Aussen. Hier sehen wir was dem Hundemilch-Erkrankten fehlt, sein rechter Platz in der richtigen Ordnung. Oft beginnt es im Familiensystem, wo die Lac-Caninum-Krankheit
beginnt: der Sohn oder die Tochter erleben Vaterlosigkeit, dabei spielt es keine Rolle ob der Vater physisch anwesend ist oder nicht, der Vater als wichtige und prägende Instanz für Väterlichkeit sowie Männlichkeit ist nicht anwesend bzw. präsent.
Hinzu kommt die oft alleingelassene und überforderte Mutter, die in Ihrer Rolle als Übermutter den Vater vor den Kindern schlecht macht, bei physisch anwesenden Vätern kann dies oft so weit führen, dass die Mutter in Gegenwart des Kindes den Vater sogar
sexuell abwertet: “So ein Schlappschwanz!”
Diese frühe mütterliche Fixierung führt bei den Kindern zu einem fixierten Verhaltensmuster bzw. zu fixierten energetischen Mangelzuständen:
die männlich-väterliche Energie kann nicht gelebt werden, die starke Hinwendung zur Mutter wird von Aussenstehenden oft als hündisch oder Muttersöhnchen-Verhalten wahrgenommen. Die vorhandene Aggression kann sich irgendwann Bahn brechen, wenn auch das Verhältnis zur Mutter zu kippen droht, oft erleben wir dies bei wütenden und zu Gewaltausbrüchen neigenden Jugendlichen.
Wonach sich der Lac-Caninum-Erkrankte sehnt, ist eine klare Ordnung:
Mutter und Vater am rechten Platz, und in diesem Fall die mütterliche Erlaubnis auch vom Vater nehmen zu dürfen, bildlich gesprochen auch den Vater als Rudelführer anerkennen zu dürfen. Dies ähnelt dem starken Sicherheitsbedürfnis, welches sich auch darin ausdrückt, dass Lac-Caninum-Menschen sich gerne in Gruppen aufhalten: Fitnesstudios, Kampfsportvereine etc.
In Familienaufstellungen ist das Bild des Klienten hinter dem Vater, Grossvater und die ganze männliche Ahnenreihe steht ein Sinnbild für heilsames Lac-Caninum, oft
begleitet von der Hand auf der Schulter, einem wohlwollenden Nicken und dem Satz:
“Du bist einer von Uns uns wir sind stolz auf Dich!”

Lac Lupi oder die Individualität im Rudel leben und den eigenen Biss wieder finden

Lac Lupi, die Milch der Wölfin, erinnert an die Hundemilch: Wölfe sind die Vorfahren der Hunde und daher stark mit ihnen verwandt.
Eines unterscheidet beide jedoch: der Wolf, so drückt es sich auch beim homöopathischen Mittel aus, ist freiheitsliebender und geht in die dunkelste Einsamkeit als sich zähmen und versklaven zu lassen. Diese Qualität sich selber nicht zu verraten wird durch die
Wolfsmilch nochmal auf eine gesundere Ebene gestellt: die Lösung ist hier den eigenen Weg zu finden, dem Verlangen nach Zugehörigkeit zu einem Rudel nachzugeben und sich selber in diesem Rudel nicht aufzugeben und den eigenen Biss zu behalten.
Der oder die Wolfsmilch-Erkrankte tun nämlich oft folgendes: um dazu zugehören beschneiden sie ihre eigene Aggression, die eigene Wildheit und die eigene grosse Kraft zu sich zu stehen, denn sie wissen um ihre eigene Kraft; sie wollen niemanden in unserer beissgehemmten Gesellschaft weh tun oder Angst machen. Oder sie wählen den Weg des umherstreifenden Wolfes: Einzelgänger, schwach, mutlos und identitätsgestört.
Und doch gehört der Wolf zu seinem Rudel.
Lieber einen Tag als Wolf gelebt haben, als ein Leben lang als Schaf der Herde
hinterhergetrottet sein.

Wolfsmilch ist auch ein Mittel für Menschen, die in Übergangen feststecken zu scheinen, der Abschied bzw. die Ablösung des “alten” Rudels, weil er/sie sich ein eigenes Rudel geschaffen hat. Hier und auch in anderen Kontexten hilft es die Position des Alpha-Wolfes bzw. der Alpha-Fähe sich klar und bewusst zu machen und für andere auszustrahlen.
Ein Mittel für Chefs, Anführer, Dozenten, Trainer, Vortragende und alle, die es werden wollen.

Plutonium nitricum oder Verlangen zu explodieren oder die freimachende Kraft des Urzustandes

Homöopathisches Plutonium wirkt auf unsere alten Verpanzerungen und
selbstzerstörerischen Beschränkungen wie eine heilsame Explosion:
Plutonium träumt als einziges Mittel von Maori-Kriegern und auch von Urmenschen, dem sogenannten Neandertaler. Der Plutonium-Mensch befindet sich innerlich in
ständigem Kampf mit den Elementen und Nahrungskonkurrenten. Ein ständiger Kampf nicht vom Säbelzahntiger erlegt zu werden und andere Stämme sich vom Hals zu halten.
Diese ständigen Bedrohungen schweben über ihm wie eine Damokles-Schwert.
Auf der anderen Seite ist der Plutonium-Kranke aber auch in Kontakt mit
einer sehr archaischen Kraft, einer urgewaltigen Kraft, die vor einigen Jahren
als Kraft des Ursprungs™ bezeichnete. Haka führt dich an den Punkt wo es nur noch
diese ursprüngliche Kraft gibt und Du dich selber freisprengst von Deinen Ketten
.
Immer wieder habe ich die grosse Freude mitzuerleben, wenn sich Klienten und Seminarteilnehmer dieser Kraft widmen und zu ihr durchbrechen, ich bin immer wieder
erschüttert-beglückt zu sehen, wie es Menschen gelingt ihre Kraft zu nehmen.

Mercurius solubilis und das Verlangen nach totaler Freiheit oder die Bindung ans Universum

Wenn wir Mercurius begegnen, dann treffen wir den unendlichen Geist, im erkrankten
Zustand leider nicht den reinen Geist. Denn der Geist des Quecksilbers hat die Idee sich von der Materie lösen zu müssen, ich nenne es “gewaltsame Entleibung“.
So finden wir in diesem Mittel ein hohes Gewaltpotential, eine gewisse Kaltblütigkeit und eine Neigung zu sterben für die eigene Idee.
Das Potential des Mittels bezeichne ich als den “Krieger für Liebe und Freiheit“, doch bis dahin ist ein Stück Weg zu gehen für Mercur-Erkrankte.
Diese Krankheit heilt sich neben der Mittelgabe auch ein grosses Stück darüber aus,
die eigene Körperlichkeit (wieder-)zuentdecken und auch daran Gefallen zu finden.
Mercurius hat das Symptom Verlangen sich zu spüren, leider führt dieser
krankheitsinnenwohnende Heilungsversuch aus sich heraus zu nichts, denn Mercurius spürt nichts: der Geist ist nicht angewiesen auf die materielle Verkörperung.
Daher wird verständlich, dass Mercur ein Mittel ist, dass viel mit Gewalt zu tun hat,
Unfälle, Extremerlebnisse und auch extreme Entscheidungen, wie z.B. einen Hungerstreik.
Oft rührt das Nicht-Spüren bei Mercur aus stark traumatischen Erlebnissen –
Misshandlungen in der Kindheit, Vergewaltigungen, Unfälle mit Beinahe-Todesfolge, Miterleben wie jemand oder mehrere gewaltsam umgebracht werden, etc.
Der Haka als intensives körperliches Erleben kann hier helfen den Zugang zu sich selber zu entdecken als auch die Verwurzelung in der materiell-spirituellen Welt neu zu definieren.

Lycopodium oder die Feigheit überwinden

Menschen, die den homöopathischen Bärlapp brauchen sind oft von der Idee oder einem Gefühl von Kleinheit besetzt oder fühlen sich minderwertig und im Vergleich anderen körperlich unterlegen.
Gerade die prozessorientierte Homöopathie lehrt uns, dass dort wo es die Kleinheit gibt auch die Grösse ist. In diesem polaren Spannungsfeld gibt Lycopodium den richtigen
Impuls um die eigene Grösse zu erkennen: was heilt ist der Blick auf sich selber und nur der. Dort wo wir Vergleiche hineinbringen und Konkurrenzschemata denken, fühlt sich
Lycopodium klein und feige. Gerade in öffentlichen Situationen, vor Publikum, bei Vorträgen, unter Fachkollegen etc. kommt Lycpodium in Fahrt und bedient sich der eigenen Muster um sich der vermeintlichen Schwäche nicht zu stellen: Angeben, auftrumpfen (Skat!), den Hahn geben und auch immer wieder andere schlecht aussehen lassen. Hier fehlt der Blick auf sich selber, ein Blick der Mitgefühl beinhaltet und die individuelle Geschichte einbezieht: oft ist Lycopodium ein Mittel für Vaterlose, oder vom harten Vater blossgestellte Menschen. Menschen, die öffentlich schon früh Blamage erlitten haben und niemanden hatten, der mitfühlend und stützend an ihrer Seite stand.
Lycopodium träumt davon ohne Hosen (untenrum nackt) zu sein, und dafür ausgelacht zu werden. Hier begegnen wir dem tiefsten Punkt bei Lycopodium, dem Zweifel an der eigenen Männlichkeit, durch obige Situationen ausgelöst oder die fixe Idee einen zu kleinen Schwanz zu haben oder insgesamt zu klein und schlecht geraten zu sein.
Dann macht Lycopodium aus Sexualität einen Leistungssport und aus dem gegenseitigen Kennenlernen eine Jagd. Oder zieht sich ganz zurück aus Angst, dass diese Ideen und Gefühle zu sich selber, sich hoffentlich nicht auch noch bewahrheiten. In diesem ständigen Gefühl einer Prüfung unterzogen zu werden, befindet sich der Mann in einer Dissoziation zu sich selbst, zu seinem wahrhaftigen und authentischen Ausdruck.
Gerade mittels der körperlichen Ebene kann man hier Erfahrungen nachnähren, die wichtig für Menschen, und insbesondere Männer sind. “Körperliche Erfolgserlebnisse” sozusagen, sich und den eigenen Körper als etwas wertvolles und vollkommenes
anzusehen, und auch mal sagen zu können: “Das weiss ich nicht. Das kann ich nicht.”

Alle diese Mittel bergen in sich Potentiale zur Entwicklung einer Kriegernatur.
Aber warum überhaupt Krieger? Frieden ist doch schön und Harmonie
erstrebenswert!
Leben als solches ist dynamisch und damit veränderlich – kriegerisch und friedlich ist ein Teil vom Ganzen und die heile Natur kennt keine Stase, das stete Verharren in einem Zustand. Und wenn wir uns den Krieger
etwas anders anschauen als nur den bösartigen Schlächter, ist ein Krieger eine Person, die etwas kriegt
.
Und etwas kriegen, dem muss vorausgehen, dass Ich dafür eingestanden bin, dafür aufgestanden und hingestanden, mit dem Effekt, dass Ich gehört wurde in meinen Bedürfnissen. In diesem Sinne ist ein Krieger jemand, der sich aktiv und schöpferisch um seine Bedürfnisse kümmert.

Fabian Strumpf, im Februar 2014